13.04.2012

LG Kiel, Euroweb, arglistige TÀuschung: Das Urteil ist veröffentlicht

Endlich haben wir das Urteil des LG Kiel, Az. 2 O 135/11 im Wortlaut.

KernsÀtze:
"Auch nimmt das Gericht dem Beklagten ab, dass er sich bei Unterzeichnung des Vertrages das Formular wegen seiner schlechten Deutschkenntnisse nicht nĂ€her angeschaut hat und offenbar auch deshalb, weil er den AusfĂŒhrungen des Zeugen vertraute. Zwar hĂ€tte der Beklagte bei genauer Durchsicht des Vertragsformulars ĂŒber den dort abweichend geregelten Zahlungsmodus stolpern können. Das hĂ€tte jedoch vorausgesetzt, dass man den Vertrag sehr grĂŒndlich liest, da bei oberflĂ€chlicher Betrachtung Anschlusskosten und Vertragsdauer nicht unbedingt sofort ins Auge springen, insbesondere fĂŒr einen wie den Beklagten, der – wie erwĂ€hnt – die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrscht. Auch die monatliche Bezahlweise musste sich hier fĂŒr den Beklagten nicht aufdrĂ€ngen, zumal in den ersten beiden Zeilen unterhalb des Textes „monatliches Entgelt“ und hinter den klĂ€gerischen Produktnamen eine Durchstreichung erfolgt ist. Denn das verstĂ€rkt den Eindruck, bei dem genannten Betrag von 178,50 € brutto könnte es sich um einen einmaligen Pauschalbetrag handeln.
Es liegt auf der Hand, dass sich der Beklagte den Abschluss des Vertrages zu den von der KlĂ€gerin im Formular in Wirklichkeit vorgegebenen Konditionen nicht hĂ€tte leisten können. Er hat im Rahmen seiner persönlichen Anhörung im Einzelnen dargestellt, dass er von einem sehr bescheidenen Einkommen leben mĂŒsse, welches er aus dem Imbissbetrieb erwirtschafte. Auch das spricht dafĂŒr, dass er aufgrund unzutreffender Angaben des klĂ€gerischen Abschlussvertreters zum Vertragsschluss motiviert wurde. Denn bei wahrer Kenntnis der tatsĂ€chlichen UmstĂ€nde wĂ€re zu erwarten gewesen, dass er den Vertragsschluss abgelehnt hĂ€tte, da fĂŒr den Beklagten nach eigener Einlassung, die ihm nicht zu widerlegen ist, bereits monatliche Belastungen von 20,00 € oder 50,00 € eine Menge Geld seien."
Die ach so tolle Euroweb, die öffentlich behauptet, sich in solchen FĂ€llen kulant zu zeigen und das man ihr darĂŒber reden könne, verklagte diesen armen Mann wie folgt:

Die KlÀgerin beantragt,

den Beklagten zu verurteilen, an sie 7.044,65 € netto nebst Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten ĂŒber dem Basiszinssatz seit RechtshĂ€ngigkeit zu zahlen.

Der Herr "Rechtsanwalt" Philipp Berger - Anscheinspropagandaminister des Euroweb-Reiches mitsamst der nicht weniger arglistig tĂ€uschenden Kronkolonie "Webstyle GmbH" - wird sicher jedermann erklĂ€ren wollen, dass und warum das gerechtfertigt sei und dass das keine ĂŒble Abzocke sei! - Nur wird es ihm keiner abnehmen...

Das Gericht abschließend:
"Die arglistige TĂ€uschung war fĂŒr den Abschluss des Vertrages auch ursĂ€chlich. Das Gericht ist – wie bereits ausgefĂŒhrt – davon ĂŒberzeugt, dass der Beklagte den Vertrag nicht abgeschlossen hĂ€tte, wenn er um die genauen Kosten, die nach vierjĂ€hriger Vertragsdauer von ihm zu zahlen gewesen wĂ€ren, gewusst hĂ€tte. Es drĂ€ngt sich auf, dass er sich einen solchen Vertrag angesichts seines geringen Einkommens unter keinen UmstĂ€nden hĂ€tte leisten können. Dies muss auch dem Zeugen XXX angesichts der ĂŒberschaubaren LadengrĂ¶ĂŸe des Imbisses bewusst gewesen sein. Alles spricht dafĂŒr, dass sich der Zeuge XXX die Sprach- und VerstĂ€ndnisschwierigkeiten des Beklagten bewusst zu Nutze gemacht hat, um in den Genuss einer Provisionszahlung zu gelangen."
Na, Herr Euroweb-Berger - was ist mit der durch den Kai Dieckmann angekĂŒndigten Berufung? Was können Sie uns dazu vorschwafeln?

Ich erzÀhle mal was dazu:

Die Treppenterrier der Euroweb erhalten ein Grundgehalt "auf Hartz IV-Niveau". Die in etlichen Foren berichteten 800 Euro sind nĂ€mlich genau das. Wollen diese Geld zum Leben, dann mĂŒssen diese unbedingt zu AbschlĂŒssen kommen - und da kann es passieren, dass diese das in LehrgĂ€ngen bei der Euroweb erlernte Abzocken in ihrer Not ganz bewusst noch "ein wenig ĂŒbertreiben". Eine durch intensive Schulungen "eingebaute Moralbremse" sorgt fĂŒr den Rest - dass kennen wir von anderen verwerflichen Vertriebssystemen - zum Beispiel des Herrn Maschmeyer!

So ein Fall liegt hier vor. Das Gericht fĂŒhrt aus:
"Als unredlich ist die wiederholte Aussage des Zeugen zu bezeichnen, er habe dem Beklagten und seinem Kollegen aus XXX „etwas Gutes“ tun wollen. Denn in erster Linie dĂŒrfte es dem Zeugen, der aus einem erfolgreichen Vertragsabschluss eine dreistellige Provisionszahlung zu erwarten hat, um seinen eigenen Vorteil gegangen sein. "
Das spricht darĂŒber hinaus auch fĂŒr eine im Rahmen der "Euroweb-Schulungen" dieses "Euroweb-Treppenterriers" erfolgte "Euroweb-GehirnwĂ€sche"!

Und auf diese
"Euroweb-GehirnwÀsche" gibt es einen ersten Hinweis im Urteil:
"Auch beinhaltet es einen Widerspruch, wenn der Zeuge einerseits ausgesagt hat, er habe das GeschĂ€ft des Beklagten mit einem guten GefĂŒhl verlassen, aber es ĂŒberrasche ihn nicht, dass er mit dem Vorwurf, den Beklagten getĂ€uscht zu haben, konfrontiert worden sei. Dass er trotz des beschriebenen guten GefĂŒhls angesichts der vorliegenden Klage nicht aus allen Wolken gefallen sei, erscheint wenig plausibel."
Eben, unter Einbeziehung des Aspektes einer GehirngewÀsche ist das nÀmlich durchaus plausibel.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Das Urteil ist eine FĂ€lschung! Jawoll!

Ich bin mir da gaaaaanz sicher!

Da nĂ€mlich die Euroweb Internet GmbH noch gar nicht verkĂŒndet hat, das diese "MarktfĂŒhrerin in der Erstellung von Webseiten fĂŒr Kebab-, Döner- oder Bratwurst-Buden im Bezirk des Landgerichts Kiel" sei, weil deren Anwalt Berger das noch nicht auf 123Recht.net verkĂŒndet hat und vor allem aber, weil die die Euroweb Internet GmbH noch nie verkĂŒndet hat, dass diese auch nur einen einzigen Designpreis einer höchst wichtigen Organisation aus Timbuktu oder Berlin(Texas) in der wichtigen Kategorie "Webseiten fĂŒr Kebab-, Döner- oder Bratwurst-Buden im Bezirk des Landgerichts Kiel" gewonnen habe und deshalb zur Königsklasse der Ersteller von "Webseiten fĂŒr Kebab-, Döner- oder Bratwurst-Buden im Bezirk des Landgerichts Kiel"sei kann es gar nicht sein, dass die Euroweb Internet GmbH, die Webstyle GmbH oder gar die Waz OnlineService GmbH je einen Vertrag mit auch nur einem einzigen Besitzer, PĂ€chter, Mieter oder auch nur Besucher einer Kebab-, Döner- oder Bratwurst-Bude im Bezirk des Landgerichts Kiel abgeschlossen hatte. Und genau dann, wenn die Euroweb keinen einzigen Vertrag abschließt, dann bescheißt diese natĂŒrlich auch nicht!

Es kann also das Urteil gar nicht geben!
Der Anwalt Philipp Karl Berger wird mir schweigend zustimmen.

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