13.07.2015

Montag der 13. - Pech und Schwefel Schlosser f├╝r die Euroweb

Vor dem OLG Frankfurt am Main wurde heute ein, im Hinblick auf die Umst├Ąnde ├Ąu├čerst positiver Vergleich geschlossen. Das vorherige Urteil des LG Frankfurt, welches der Euroweb noch ca. 7900 Euro zusprach, ist damit obsolet.

Der Berufungskl├Ąger (von der Euroweb verklagter Referenzkunde) zahlt 1200 Euro (rund 15% der Klagesumme) an die Euroweb. Zahlt er nicht p├╝nktlich bis Ende August dann steigt der Betrag allerdings auf 3800 Euro (Zahlen aus dem Ged├Ąchtnis, die letzte als "nicht-relevant" m├Âglicherweise nicht gut gemerkt). Die Kosten des Rechtsstreites werden gegeneinander aufgehoben.

Das bedeutet, die klagende Euroweb erh├Ąlt deutlich weniger als diese f├╝r beide Instanzen an Anwalts- und Gerichtskosten tragen muss. Damit ist das Verfahren f├╝r die Euroweb auf eine Weise zu Ende gegangen, die mit "unwirtschaftlich" korrekt bezeichnet ist. Allerdings bef├╝rchte ich aus den Erfahrungen mit der Vergangenheit, dass der Lerneffekt ein sehr begrenzter ist. Also das die Euroweb weder von den sittenwidrigen Vertriebsmethoden noch von den, wohl auch insgesamt nicht mehr wirtschaftlichen Klagen l├Ąsst.

Im Gesamtverfahren w├Ąre eigentlich von der 5%-Regelung nach §649 BGB bis zur Klageabweisung wegen arglistigen T├Ąuschung beim Vertragsabschluss durch den Vertriebsbeauftragten (der nicht als Zeuge erschien) alles m├Âglich gewesen. Allerdings hat sich der Berufungskl├Ąger im Vorfeld leider nicht besonders klug verhalten und hierdurch mindestens einen Teil seiner Glaubw├╝rdigkeit bei Gericht verspielt und zudem in seinen Ausf├╝hrungen "die Sache nicht auf den Punkt gebracht". Zwar kam z.B. der von der Euroweb als Zeuge genannte, erwartbar "sehr ehemalige" Au├čendienst (jedenfalls f├╝r mich weniger ├╝berraschend) nicht und dadurch h├Ątte das Gericht auch darauf erkennen k├Ânnen, dass dieser durchaus ein R├╝cktrittrecht zugesichert habe, aber die "Parteivernehmung" hat bestenfalls nur einen geringen "Beweiswert". Die Richterin lie├č dann durchblicken, dass Sie dem Vorbringen zur arglistigen T├Ąuschung nicht folgen werde, weil diese dem Vortrag hierzu einfach nicht glaubte und wollte der Euroweb sogar Gelegenheit geben, den Vortrag zu den ersparten und nicht ersparten Leistungen ein weiteres Mal nachzubessern und also an die Beweislage anzupassen.

Demnach kann der 15%-Vergleich in diesem Fall als sehr sch├Âner Erfolg gelten.

Die Berufungsverhandlung und also der unter diesen Umst├Ąnden recht g├╝nstige Vergleich kam zu stande, nachdem mir die sehr engagierte Vertreterin, Frau Rechtsanw├Ąltin Christiane Lehmann aus Frankfurt am Main, mit Genehmigung und Wissen des Mandanten den Fall gerade noch rechtzeitig darlegte und ich dann also die vors├Ątzlich unwahre, aber dennoch im Prozess get├Ątigte Euroweb-Behauptung, dass ausschlie├člich fest angestellte Mitarbeiter die Webseiten erstellen w├╝rden, durch allerhand Material widerlegen konnte. Bis dahin neigte die Richterin dazu, die Berufung schon im schriftlichen Vorverfahren zur├╝ck zu weisen.

Ohne mich h├Ątte es also nicht mal eine Berufungsverhandlung und also einen fetten Profit f├╝r die Euroweb gegeben. So war es also kein besonders sch├Âner, aber immer noch ein sch├Âner Tag.

Der Euroweb-Anwalt Andreas Buchholz soll, als er begriff, dass ich, also auch ein pr├Ąsenter sachverst├Ąndiger Zeuge daf├╝r sei, dass die Euroweb die versprochene Leistung gar nicht erbringen wollte oder konnte (ohne die eingangs erw├Ąhnten Handlungen des Berufungskl├Ągers w├Ąre es dazu wahrscheinlich sogar gekommen - und das kann es auch, denn ich w├Ąre sehr daran interessiert, das mal durchzuziehen), in den kanzlei├╝blichen Singsang verfallen sein, ich sei ein "Hassblogger".

Er langweilt mich.

P.S.: Ich mach dann mal, wegen des Vortrages, dass ausschlie├člich fest angestellte die Webseiten erstellen w├╝rden, die Strafanzeige wegen versuchten Prozessbetruges fertig. Mit dem Sieg in der Vorinstanz war der Versuch ja schon ziemlich weit fortgeschritten.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nun Herr Reinholz, Sie zeigen es ja gerade so sch├Ân:

Der Bericht ist Ihr "Adagissimo", wenn Sie sich polemisch ├Ąu├čern geht das bis zum das Prestissimo. Offenbar nutzen Sie eine enorme Bandbreite und haben eher nicht etwa ein Problem, das "Tempo giusto" zu finden.

Im Ganzen k├Âstlich! Das gilt auch wenn ich manchmal denke, dass Sie den einen oder anderen Kollege etwas zu hart ran nehmen.

Anonym hat gesagt…

Geh├Ârt zwar nicht zum obigen Artikel, allerdings viel mir die "Eurowepp" sofort ein, wie ich dies hier gelesen habe:

https://www.lawblog.de/index.php/archives/2015/07/14/unerwuenschter-anruf-fuehrt-nicht-zu-einem-vertrag/

Whistler hat gesagt…

Wutanfall in D├╝sseldorf - Buchholz zum Rapport bestellt.

Beinahe w├Ąre ich auf die Euroweb hereingefallen hat gesagt…

"Der Euroweb-Anwalt Andreas Buchholz soll, als er begriff, dass ich auch ein pr├Ąsenter sachverst├Ąndiger Zeuge daf├╝r sei,"

Ach? Sie waren also anwesend? Mir wurde vom Euroweb-Vertreter erz├Ąhlt, Sie, Herr Reinholz, seien auf der Flucht. Da w├Ąre es nat├╝rlich ein starkes St├╝ck, wenn Sie beim Gericht auftauchen w├╝rden.

Den Vertrag habe ich damals nicht unterschrieben. Danke f├╝r die Warnung.

Anonym hat gesagt…

Die Coldcalls der Euroweb unterscheiden sich allerdings von diesen Adressbuch-Stalking.
Bei Euroweb wird immer darauf hingearbeitet, einen pers├Ânlichen Termin zu vereinbaren. Nat├╝rlich wird dabei immer Wesentliches verschwiegen. Der Angerufene soll unbedingt daran glauben, dass er f├╝r die Leistungen nichts zu bezahlen braucht. Der Telefonleitfaden ist genau darauf abgestimmt. Hier wird zwar nicht gelogen, aber das was der Anrufer sagt und das was der Angerufene tats├Ąchlich zu verstehen glaubt, ist nicht das Gleiche. Dem Angerufenen soll nicht auffallen, das lediglich von einem Teil der Kosten gesprochen wird, die nicht zu bezahlen sind. Es wird hier von “der ├ťbernahme der kompletten Erstellungskosten in H├Âhe von ├╝ber zehntausend Euro“ gesprochen. Wer aufmerksam zuh├Ârt und nach Folgekosten fragt, bekommt gesagt, das lediglich eine geringf├╝gige Summe f├╝r Service und Support zu bezahlen ist. Da kommt gern der Vergleich mit dem Auto, was einem v├Âllig kostenlos zur Verf├╝gung gestellt wird. Aber die Unterhaltung (Benzin, Steuern, Versicherungen, Inspektionen und Reparaturen usw.) m├╝sse man schon selbst tragen. Das leuchtet nat├╝rlich jedem ein. Es rechnet ja auch niemand mit bis zu 350 Euro monatlich f├╝r diese Nebenkosten. Der Preis kommt auch erst im pers├Ânlichen Gespr├Ąch auf den Tisch und das erst dann, wenn der Kunde alle Absicherungen im Gespr├Ąch nach Leitfaden mit ja beantwortet hat. Mit etwas Gl├╝ck merkt der Kunde nicht einmal, dass die Zahlungen monatlich zu leisten sind. Das wird ja absichtlich im Leitfaden verschwiegen. Man setzt darauf, dass der Kunde so naiv ist und denkt, es handelt sich um ein Jahresbeitrag oder um eine einmalige Zahlung.
Das b├Âse Erwachen folgt in der Regel nur kurze Zeit sp├Ąter.


Anonym hat gesagt…

Ja, das ist genau die Masche von dieser Bande. Ich habe genau das Gleiche mit denen erlebt.
Am Telefon hat mir der Kerl was davon erz├Ąhlt, dass er plant richtig viel Geld zu investieren, um ein Unternehmen in der Region richtig erfolgreich zu machen. Deswegen schaut er sich mehrere Firmen an, um sich dann f├╝r eine davon zu entscheiden. Diese Firma will er dann mit einem kompletten Webseitenkonzept ausstatten. Er sagte, dass das f├╝r ihn die beste Werbung ist, wenn jemand durch ihn richtig Erfolg hat.
Zum vereinbarten Termin kamen dann sogar zwei Mann zu mir und haben mich richtig heiss gemacht. Am Ende habe ich einen Vertrag unterschrieben.
Jetzt habe ich den Salat. Ich habe alles den Anwalt ├╝bergeben, weil nichts so geklappt hat, wie die mir das versprochen haben. Keine Internetseite online, die Domain bekomme ich nicht zur├╝ck. Ich kann nur warnen.

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