21.04.2018

"Netter Versuch": RA Daniel Sebastian aus Berlin versendet Abmahnungen wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen (Filesharing) in den Jahren 2013 und 2014.

Dieses, von ihm selbst ├Âffentlich angek├╝ndigte, bzw. beworbene Tun erscheint mir als sehr dumm. Also ich w├╝rde die von Daniel Sebastian geforderte Unterlassungserkl├Ąrung nicht abgeben und, trotz des unzweifelhaft gebotenen Unterhaltungswertes auch keinen Cent zahlen - sondern etwa wie folgt formulieren: (Das P.S. am Ende auf keinen Fall vergessen oder weglassen!)

Mein Aktenzeichen: ABFUHR0815, Ihr Aktenzeichen: XY

Allerwertester Herr RA Daniel Sebastian!

Zun├Ąchst einmal bestreite ich den von Ihnen dargelegten Sachverhalt zur G├Ąnze mit "Nichtwissen".

Den Download habe ich nicht vorgenommen, den Fuckerkram auch nie zum Upload angeboten und ich w├╝rde mich DAF├ťR auch sehr sch├Ąmen. Ich kann das auch ausschlie├čen, weil ich an dem Porno  schon aus Geschmacksgr├╝nden v├Âllig desinteressiert bin. Ich werde das jederzeit an Eides statt versichern. Auch habe ich bei einer Durchsicht aller Rechner im Haushalt nichts gefunden, was auf den von Ihnen behaupteten Versto├č auch nur hinweisen k├Ânnte. Inzwischen kam ja auch Windows 7, dann 10 auf die Rechner... und ich habe auch ein neues Notebook gekauft - das, welch toller Zufall, ungef├Ąhr genau so viel gekostet hat, wie Sie in aller Freundschaft bei mir abzuzocken gedenken.

Theoretisch besteht die - mit Nichtwissen bestrittene - M├Âglichkeit, dass Dritte, insbesondere auch erwachsene BesucherInnen in meinem Haushalt, die nat├╝rlich auch damals "├╝ber 18 waren, schon geschossen, gesoffen, mancherlei Zeug geraucht und gebumst hatten", eigenverantwortlich handelten, sich auch ├╝ber die Rechtswidrigkeit eines solchen Tuns vollst├Ąndig im Klaren waren, die beanstandeten Handlungen ├╝ber das von mir meinen Besuchern gutwillig zur Verf├╝gung gestellte, nat├╝rlich gesch├╝tzte und bestm├Âglich verschl├╝sselte WLAN wissentlich oder unwissentlich vorgenommen haben. Soweit minderj├Ąhrige Besucher dabei waren standen diese stets unter der Aufsicht derer Eltern. Meine eigenen G├Âren kommen nicht in Betracht, denn wenn die sich solches Zeug angesehen oder angeh├Ârt h├Ątten, dann h├Ątte ich diese grobe Geschmacksverirrung sofort bemerkt - ich w├Ąre bis heute wegen Augen- und/oder Ohrenkrebses in Behandlung und w├╝rde Ihre Mandantin selbst deswegen und wegen der verloren gegangenen Freude am Sex auf Schadensersatz in Millionenh├Âhe verklagen. Plus 12,79 Euro f├╝r das Schnitzel nat├╝rlich, welches ich beim "Gewahr werden" des "Werkes" Ihrer Mandantin gleich wieder erbrochen h├Ątte.

Die Unterlassungserkl├Ąrung f├╝r etwas, was ich nicht getan und auch sonst nicht zu verantworten habe, habe ich nicht abzugeben und auch die Kostennote k├Ânnen Sie sich sorgf├Ąltig zusammenrollen und meinetwegen an einem Ort Ihrer Wahl arschivieren.

Denn wie Sie sicher schon im Voraus ahnten, bin ich, wegen des leider bestehenden Mangels an einem besseren Ged├Ąchtnis oder einer gespeicherten Besucherliste, nach ├╝ber vier Jahren zu meinem allergr├Â├čten und wirklich au├čerordentlichem Bedauern auch nicht mehr dazu in der Lage, Ihnen irgendwelche Ausk├╝nfte dar├╝ber zu geben, wer mich an dem genannten Datum besucht hat, also wom├Âglich f├╝r die St├Ârung in Frage kommt.

Zu meiner ganz besonders pers├Ânlichen Trauer haben die Russen im Mai 1945 den Blockwart gelyncht als dieser jene - zwar in seinem stinkenden Unterhemd, aber sonst mit allen Zeichen seiner W├╝rde (Schlafanzughose, Hakenkreuzbinde, Sport- und Parteiabzeichen) - aufforderte, sich von ihm (dem Stellvertreter eines Typs, der gestern Geburtstag hatte) als Besucher registrieren zu lassen. Und auch der stets freundliche und aufmerksame Hausvertrauensmann, der brav die Besucherlisten f├╝r die Stasi f├╝hrte, ist inzwischen wegen Alkoholismus (sein tr├Âstender Ersatz f├╝r den Sozialismus) verstorben. Eine Wohnung in einem Haus mit Concierge will ich mir nicht leisten, weil Paris zum einen weit weg ist und ich au├čerdem, des notwendigen Geldes wegen, einen, mit meinen moralischen Vorstellungen nicht vereinbaren Job annehmen m├╝sste: "Waffenh├Ąndler", "Abmahnanwalt", "VW-Vorstand f├╝r Dieselmotoren und Beziehungen zur Bundesregierung" ... jedenfalls etwas in der Richtung. (Anmerkung f├╝r meine Leser: Nein, "Euroweb-Marketingbeaufragter" ist zwar auch so ein Schei├č-Job, aber da reicht die Knete ja nicht mal f├╝r meine jetzige Wohnung!) So kann mir also wirklich niemand dabei helfen, Ihnen, Herr Abmahnanwalt, Ausk├╝nfte ├╝ber meine damaligen Besucher zu geben.

Vielleicht hilft Ihnen aber doch jemand!


Da f├Ąllt mir n├Ąmlich ein, der Typ, der immer am Fenster stand und alle Kennzeichen aufschrieb - der ist jetzt in der Irrenanstalt. Vielleicht wollen Sie sich pers├Ânlich zu ihm begeben? Das k├Ânnte n├Ąmlich helfen: Vielleicht gibt es ja seine Listen aus den Jahren 2013 und 2014 noch! Es dauert ungef├Ąhr 12 Wochen sein Vertrauen zu gewinnen. Sagt die Erna, die auch dort war. Gehen Sie zu ihm, mir f├Ąllt niemand ein, der Ihnen sonst noch helfen k├Ânnte.

Sie
werden das vielleicht aus eigenem (Er)Leben nicht kennen: Aber ich verf├╝ge ├╝ber viele soziale Kontakte - dazu geh├Âren zwar keine koksenden, an solchem Mist vielleicht interessierte Nutten, aber Verwandte, Freunde und Freundinnen, deren Freunde und Freundinnen, Kinder, andere Angeh├Ârige, Nichten und Neffen, Kollegen und Kolleginnen und eine Menge anderer Leute, die seri├Âsen T├Ątigkeiten nachgehen.

Ich habe gerade in meinem Ged├Ąchtnis gekramt: Nein, da ist kein Abmahnanwalt darunter. (Also unter meinen Freunden!
)

Es k├Ąme also in meinem Fall einfach eine sehr gro├če Zahl von soliden, netten und ehrlichen Personen zusammen, die f├╝r einen Besuch und auch ├ťbernachtungen an dem von Ihnen genannten Zeitpunkt in Frage kommen. Die alle zu befragen w├Ąre ein unangemessener Aufwand und w├╝rde bestenfalls zu Ergebnissen f├╝hren, welche geeignet sind, Sie oder Ihre Mitarbeiter erheblich zu verunsichern und sehr wahrscheinlich sogar zu einem von Ihrer Kanzlei verlorenen Verfahren f├╝hren.

Wom├Âglich sollten Sie (freilich besser erst nach dem Besuch bei dem Typen, der alle Autokennzeichen aufschrieb) bei der Bundesregierung vorstellig werden. Es kann ja nicht sein, dass nur deswegen, weil es an einer sorgf├Ąltigen Registrierung der Bewegungen der, der Schwerstkriminalit├Ąt verd├Ąchtigen Subjekte (also jedem) fehlt, die Aufkl├Ąrung so schwerer Straftaten (wie Raubmordkopieren, Falschparken oder gar Gummib├Ąrchen essen) schon nach vier Jahren unm├Âglich ist! Da bin ich wirrklich gaaaaanz auf Ihrer Seite!

So verbleibe ich in der unendlichen Freude, dass Sie Ihr Porto nicht etwa verschwendet, sondern meine - sicherlich als besonders freundlich empfundene - Antwort erhalten haben.

Ihr, wegen der Gelegenheit zu dieser sicherlich hilfreichen und diskret gegebenen Antwort ganz besonders dankbarer

J├Ârg Reinholz

P.S. Herr Daniel Sebastian, was war doch gleich der Zweck Ihres Schreibens? Ach? Die Unterlassung der Verbreitung? Wirklich? Ist dieser vorgeschobene Zweck bei einer vern├╝nftigen W├╝rdigung denn nach 4 Jahren ├╝berhaupt noch als "erreichbar" anzusehen? Der erhobene Anspruch ist n├Ąmlich deshalb nicht mehr durchsetzbar.

Wollen Sie mich etwa durch das andere Vormachen betr├╝gen?
Nanu? Ich hoffe, ich habe keine Orthografiefehler gemacht. Irgendwie markiert mir die Rechtschreibpr├╝fung n├Ąmlich den gesamten Text.

Nachtrag:

Ich war gerade noch mal auf der Webseite... Was sagt wohl der Superlativ Detektiv - Dr. psycho. Frieder Nau aus K├Âln zu "Heute geh├Ârt die Kanzlei zu den gr├Â├čten im Bereich der Bek├Ąmpfung von Internetpiraterie." ?

Keine Kommentare: